Lötkolben03

Löten

Lötkolben02

Sowohl in der Industrie als auch im Amateurbereich ist Löten nach wie vor die gängigste Methode, Bauteile und Platine(n) zu einer funktionierenden Schaltung zu vereinen.
Dieser Beitrag - der sich vor allem auf den Aufbau elektronischer Schaltungen bezieht - soll hauptsächlich Anfängern einen praktischen Einstieg vermitteln. Ich werde deshalb auf Fachbegriffe und komplizierte Erläuterungen weitgehend verzichten.

Löten ist durchaus keine Wissenschaft - auch wenn das immer wieder von so manchen Spezialisten behauptet wird. Mit etwas Übung, Sorgfalt und Geduld stellt sich der Erfolg rasch ein, und das Ergebnis ist für den irdischen Gebrauch mehr als ausreichend.



Lötstation oder Lötkolben ?

Lötstation

Diese Frage stellte sich mir vor über 40 Jahren nicht - da waren Lötstationen noch unbekannt. Die Zeiten haben sich natürlich geändert und die Auswahl erstreckt sich inzwischen vom einfachen Lötkolben über temperaturgeregelte Geräte bis hin zur exklusiven High-End Lötstation mit Heißluft- und Entlötfunktion.

Normalerweise genügt aber für den "Hausgebrauch" ein einfacher temperaturgeregelter Lötkolben, für gewöhnlich gern als Lötstation bezeichnet.
Natürlich muss man sich damit abfinden dass die digitale Temperaturanzeige bei solchen Geräten Werte vorgaukelt, die nicht immer an der Lötkolbenspitze anzutreffen sind. Doch das ist eher nebensächlich, denn letztendlich entscheidet in den meisten Fällen die eigene Erfahrung.

Achten Sie beim Kauf auf jeden Fall auf den Preis der - hoffentlich auswechselbaren - Lötspitze(n) ! Eine solche Spitze ist nämlich schneller verschlissen, als man denkt.

Der Lötkolben sollte außerdem leicht in der Hand liegen und muß unbedingt eine sichere und feuerfeste Ablage besitzen !

Lötgeräte im eingeschalteten Zustand nie unbeaufsichtigt lassen !

Nun mag man nicht denken, daß im Zeitalter moderner Lötstationen der gewöhnliche Lötkolben vom Aussterben betroffen ist. Lötkolben Für viele Arbeiten besitzt er nach wie vor seine Berechtigung. Vor allem die Wärmekapazität einer gut dimensionierten Kupferspitze ist nahezu unerreicht.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich eine solche Spitze - sofern man einfaches Kupfer verwendet - mit wenigen Handgriffen an gegebene "Spezialaufgaben" anpassen läßt. Die hier gezeigte abgewinkelte Form ist besonders an schwer zugänglichen Stellen - etwa bei Gerätereparaturen - sehr hilfreich. Für solche (Zweit)Lötkolben ist eine Leistung von 40 bis 60 W empfehlenswert.


Das richtige Zubehör für den Einstieg

Bevor es losgeht, sind noch ein paar Überlegungen zum Arbeitsplatz zu treffen. Der gute Wohnzimmertisch ist mit Sicherheit nicht geeignet, denn Lötzinn ist im geschmolzenen Zustand unberechenbar und vor allem eine ziemlich heiße Angelegenheit.
Außerdem entstehen beim Löten immer auch Dämpfe, und es ist deshalb während der Arbeit für eine ausreichende Belüftung zu sorgen. Lötdampfabsorber sind - zumindest wenn sehr viel gelötet wird - eine sinnvolle Sache.

Als Grundausstattung empfehle ich folgendes:

Lötzinn Bleifrei

Ob mit oder ohne Blei gelötet wird, mag jeder selbst entscheiden. Im Amateurbereich ist bleihaltiges Lötzinn - wie ich finde - immer noch die bessere Alternative. Auch bleifreies Lötzinn ist übrigens keineswegs ungiftig ! Lötpaste wird hingegen nur selten benötigt - etwa für flächige Verbindungen im HF-Bereich oder SMD.

Kolophonium

Kolophonium ist das gängigste Flußmittel, wenn es um den Aufbau elektronischer Schaltungen geht. Lötfett, Lötwasser oder ähnliche Geheimrezepturen bleiben besser anderen Anwendungen vorbehalten !
Kolophonium ist in Form von Stücken, als Pulver oder in kleinen Schachteln bzw. Dosen erhältlich. Es ist ungiftig, besitzt jedoch die Eigenschaft im trockenen Zustand leicht zu zerbröseln.

Helping-Hand-1 Eine wichtige Sache beim Aufbau elektronischer Schaltungen ist die Befestigung des Projektes - in den meisten Fällen wird es wohl eine Platine sein.
Geeignete Vorrichtungen, unter dem Namen "Helping Hand" bekannt, gibt es viele. Ein kleiner Schraubstock, eventuell dreh- und schwenkbar tut es aber unter Umständen auch.

Biegelehre Eine Biegelehre ist bei der Vorbereitung von Bauteilen ein unbedingtes Muß ! Die standardisierte Rasterung erlaubt es z.B. Widerstände, Dioden, Spulen, Drahtbrücken etc. schnell und paßgenau abzuwinkeln.

Die Handhabung ist sehr einfach, und das Ergebnis genügt auch kritschen Blicken. Eine bewährte Form ist auch im Onlineshop in der Rubrik "Zubehör"zu finden.


Verzinnen von Litzenenden

Nach der Inbetriebnahme des Lötgerätes empfehle ich als erste Übung das Verzinnen von Kupferlitze. Die Litze wird etwa zentimeterweise abisoliert - wobei eine Abisolierzange sehr hilfreich ist. Dann erfolgt das sorgfältige Verdrillen der losen Drähte per Hand und schließlich das Verzinnen. Litzen01 Dazu taucht man das Litzenende zusammen mit dem Lötkolben ganz kurz (!) ins Kolophonium. Anschließend wird der Vorgang unter Zugabe von etwas Zinn abgeschlossen. Sie finden es vielleicht verwunderlich, daß ich diese scheinbar einfache Sache so ausführlich beschreibe - dazu aber mehr im Abschnitt Lötfehler.
Es ist wichtig, sich den Umgang mit Flussmittel beim Löten gleich anzugewöhnen. Sie werden feststellen, daß die Arbeit so viel leichter geht und die Verbindungen nicht nur gut aussehen, sondern auch prima halten.
Ihre Projekte werden es Ihnen später danken ! Klappt das Verzinnen ? Gut, dann kann das erste Projekt in Angriff genommen werden - eine Versuchsschaltung, ein Bausatz oder - erst mal das Auslöten üben ?


Teilerecycling - eine unerschöpfliche Quelle

Eine alte Platine enthält noch viele interessante und verwendbare Bauteile, kostet fast nichts und man kann daran sehr gut den Umgang mit dem Lötkolben üben. alte Platinen Versuchen Sie zuerst die einfachen "zweibeinigen" Teile, also z.B: Widerstände, Kondensatoren und Dioden möglichst zerstörungsfrei zu entfernen. So vertiefen Sie Ihre Fertigkeiten im Umgang mit dem Lötgerät und wissen spätestens jetzt, wozu die Pinzetten da sind.
Entlötlitze Vor allem IC´s sind mitunter schwierig auszulöten, da hilft nur Geduld und ein wenig probieren. Mit Entlötlitze sollte das nach etwas Übung aber kein Problem sein.
Eventuell werden Sie nun eine Sache bemerken, die vor allem bei älteren Platinen gang und gäbe war. Die Bauteilanschlüsse sind auf der Lötseite ganz oder teilweise umgebogen. Das erschwert das Auslöten natürlich ganz erheblich - deshalb mein Tipp für die Zukunft: Wenn Sie selbst irgendwann Platinen bestücken, biegen Sie die Bauteilanschlüsse auf der Lötseite nicht um ! Sie ersparen sich und eventuell auch anderen damit eine Menge Zusatzarbeit.


Einlöten von Standardbauteilen

Diese Teile sind mit Anschlußdrähten versehen - gemeinhin deshalb als "bedrahtet" bezeichnet. Der Vorteil: Infolge der Drähte hat man beim Einbau einen gewissen Spielraum und vor allem bei Versuchsschaltungen macht sich das sehr positiv bemerkbar.

Bestückungsrahmen Wie bereits erwähnt, ist es sinnvoll die Platine während des Bestückens zu fixieren. Bei kleinen Arbeiten ist eine "Helping Hand" ausreichend. Knifflig wird es, wenn die Platine oft gedreht werden muß. Dann ist ein Bestückungsrahmen die bessere Lösung. Solch einen Rahmen kann man natürlich selbst bauen, aber mittlerweile gibt es auch im Handel einige recht preiswerte Angebote.

Wichtig: Es muß sich mindestens eine Eurokarte (100 x 160) bequem einspannen lassen und der Rahmen sollte unbedingt über genügend Standfestigkeit verfügen. Der auf dem Foto gezeigte Rahmen entstammt einer Kleinserienfertigung und versieht seit über 25 Jahren seinen Dienst.

Das Bestücken von Platinen mit Standardteilen ist im Grunde unkompliziert - wenn Teile und Platine ordentlich vorbereitet sind. Mit der Biegelehre lassen sich die meisten Bauelemente schnell auf das richtige Maß bringen. Sauberes Bestücken braucht Zeit - diese Investition zahlt sich aber spätestens bei der Inbetriebnahme wieder aus.

Man sollte sich unbedingt angewöhnen beim Bestücken von Platinen folgende Reihenfolge einzuhalten:

Diese Reihenfolge macht durchaus Sinn, vor allem was das Kürzen der Anschlüsse betrifft. Werden diese nämlich vor dem Löten gekürzt, besteht unter Umständen das Risiko, eine sogenannte tote Lötstelle zu produzieren. Die Lötstelle sieht dann zwar dem äußeren Anschein nach gut aus, aber die Verbindung zum Bauteil ist entweder unsicher oder fehlt ganz. Vor allem bei mehrbeinigen Teilen wie IC´s oder Relais kann das zu einer zeitraubenden Fehlersuche führen.


Bestücken von SMD

SMD - die Bezeichnung entstammt dem englischen und heißt "Surface mounted Device", zu gut deutsch also in etwa: Oberflächenmontiertes Bauteil.
Platinen mit SMD sind heutzutage in vielen kommerziellen Gebieten zum Standard geworden und auch im Amateurbereich setzten sie sich nach und nach durch.

SMD-02 SMD-01 SMD-03

Bei der Handbestückung kann ich folgende Vorgehensweise empfehlen:

Beim Bestücken von SMD-IC´s ist es es wichtig, diese vor dem Anheften exakt auszurichten. Weil die Lötpads hier sehr klein sind, erübrigt sich entweder ein Verzinnen vor dem Anheften, oder man saugt nach dem Verzinnen das überschüssige Zinn mit etwas Entlötlitze ab.
Das Anheften erfolgt bei SMD-IC´s stets diagonal. Außerdem muß nicht jeder einzelne Pin gelötet werden, sondern man geht mit reichlich Zinn über die ganze Reihe hinweg. Zum Schlus wird das überschüssige Zinn mit Entlötlitze einfach abgesaugt.

Natürlich haben SMD nicht nur Vorteile, aber darauf soll hier nicht weiter eingegangen werden. Wichtig ist: Die Übung macht den Meister. Über das Löten von SMD wurden schon viele Abhandlungen veröffentlicht und im Netz ist mehr als genug darüber zu finden.
Es lohnt auf jeden Fall, sich damit zu befassen, auch wenn bei vielen Bausätzen SMD bereits bestückt sind.


Verzinnen von Kupferlackdraht und HF-Litze

Es gab Zeiten, da musste Kupferlackdraht (CuL) vor dem Verzinnen erst mühsam abgeschabt werden. Noch umständlicher war das Prozedere bei HF-Litze. Weil die Drähte dort sehr dünn sind, war einzig das Abbrennen mit der nicht ganz ungefährlichen "Spiritusmethode" der beste Weg.
VerzinnenCul Nun, seit der Entwicklung neuer Lacke ist das alles hinfällig geworden - heutzutage kann man ohne viel Umschweife direkt verzinnen.

Dazu braucht man nur etwas Kolophonium und reichlich Zinn. Der Draht wird zusammen mit dem Lötkolben in das Kolophonium eingetaucht und anschließend mit der Spitze in die flüssige Zinnperle gehalten. Ist der Wärmekontakt erst einmal hergestellt, verdampft der Lack und der Draht verzinnt sich sofort.

VerzinnenCul

Nach einigen Versuchen - ich empfehle dafür Drahtstärken um 0,5 mm - sollte es gut gelingen. Bei dünnen Drähten oder HF-Litze geht man anders vor: Das Verzinnen erfolgt auf einer Unterlage - am besten einer alten Zeitung oder einem Stückchen weichem Sperrholz.

Das Drahtende wird erst wieder gut "kolophoniert", dann auf die Unterlage gelegt und mit der Zinnperle unter leichtem Druck darübergestrichen. Ein paar Rauchschwaden muss man natürlich in Kauf nehmen, und wenn viel Lackdraht auf diese Weise bearbeitet werden soll - Lüften nicht vergessen !

außerdem... Vergessen Sie nicht, unter die Zeitung an der bewussten Stelle eine wärmefeste Unterlage zu legen.

Wie man es auch machen kann, zeigt dieses kleine von mir angefertigte Video.


Verzinnen und herrichten von Koaxialkabeln

In vielen HF-Bausätzen werden Koaxialkabel eingesetzt. Meist handelt es sich um das dünne RG 174 bzw. das etwas dickere RG 58. Die Kabel sind preiswert und für die meisten Anwendungen ausreichend.
Der nachlässige Umgang bei der Vorbereitung dieser Kabel kann mitunter zu undefinierbaren Fehlern führen - also jener Kategorie die einen technikgläubigen Menschen schier in den Wahnsinn treiben können...

Häufig werden nach dem Abisolieren einfach sämtliche Drähte der Abschirmung zu einem einzigen dicken Packen zusammen verdrillt. Beim anschließenden Verzinnen können sich dann infolge der mechanischen Spannung einzelne Drähtchen unbemerkt bis zur Seele durchschmelzen. Die Folge ist entweder ein Kurzschluß, oder - und das ist besonders tückisch - er entsteht sporadisch beim Bewegen des Kabels.

Im Ergebnis meiner langjährigen Praxis empfehle ich deshalb bei RG 174 folgende Vorgehensweise:

Koax01 Koax02 Koax04 Koax03 Koax05 Koax06 Koax07 Koax08

Bei dickeren Kabeln wie z.B. RG 58 geht das Abisolieren des Mantels sehr einfach, wenn dieser mit einem Cuttermesser zuerst leicht eingekerbt wird.
Man führt dabei das Messer radial und unter mäßigem Druck (ohne zu ziehen) einmal ganz herum und biegt anschließend das Kabel an der entsprechenden Stelle durch (Vorsicht - nicht knicken !). Der Mantel bricht dann an der eingekerbten Stelle und läßt sich leicht abziehen. Beim abziehen des Mantels leisten Arbeitshandschuhe gute Dienste.

Abschließend noch ein paar Worte zu Teflonkabeln: Wer genügend davon besitzt, kann diese natürlich auch im Kurzwellenbereich für Standardanwendungen einsetzen. Der Vorteil solcher High-Tech Kabel ist zweifelsohne die hohe Beständigkeit gegen "verbrutzeln" beim Löten.
Dennoch muß auch hier Wert auf saubere Verarbeitung - insbesondere der Abschirmung - gelegt werden, sonst erreicht man leicht das Gegenteil.


Lötfehler

Moderne Lötstationen in Verbindung mit ordentlichen Platinen ermöglichen - auch in Handarbeit - eine Qualität die der einer industrieellen Fertigung sehr nahekommt.
Ursachen für mögliche Lötfehler wurden bereits genannt, doch eine Frage ist bisher noch unbeantwortet geblieben, nämlich die nach der "richtigen" Temperatur der Lötspitze. Darüber wird auch im Netz mitunter heftig diskutiert, wobei ich allerdings sagen muß daß hier meistens die eigene Erfahrung maßgebend ist.

Mehr als 400 Grad sollte man den Bauteilen nicht zumuten. Ich tendiere eher zu 350 Grad, wobei natürlich die Zusammensetzung des Lötzinns und das verwendete Flussmittel hier eine Rolle spielen. Besonderswichtig ist in diesem Zusammenhang immer auch die Lötzeit. Im Zweifelsfall solte man das Datenblatt zur Hand nehmen. Als Faustregel kann man mit zwei bis höchstens(!)drei Sekunden rechnen.

Wer viel mit verschiedenen Teilen arbeitet, wird schnell feststellen daß sich Lötstationen nicht für alle Verbindungen gleich gut eignen. Von Bedeutung ist nämlich nicht nur die Anfangstemperatur der Lötspitze, sondern auch deren Wärmekapazität.

Sollte die Spitze an bestimmten Punkten - oft sind es mit Masse verbundene Lötpads, oder Litzen dickeren Querschnitts - trotz korrekt eingestellter Temperatur "anpappen", reicht die Wärmekapazität mit Sicherheit nicht aus. Der Energieabfluss von der Lötstelle ist dann wesentlich größer als die Energiezufuhr. Ich rate deshalb bei derartigen Verbindungen zur Verwendung eines Lötkolbens mit etwas dickerer Spitze aus massiven Kupfer. Leistungen von 40 bis 60 W reichen meistens aus.

Lötf01 Ein solches Problem tritt häufig auf, wenn an einem Kühlkörper montierte Leistungstransistoren, Spannungsregler etc. gelötet werden sollen. Hier wirkt ein einfaches Lockern der Befestigung Wunder. Gleiches gilt auch für mit Gehäuseteilen verbundenen Lötösen, bzw. Kabelschuhen.

Im Foto rechts ist ein Lötfehler der besonders ausgefallenen Art zu bewundern. Ich erhielt die Platine zur Reparatur und musste selbst erst eine Weile suchen bis ich das Problem entdeckte.
Der betreffende Pin - es handelt sich unglücklicherweise auch noch um den Massepin des IC, wurde offenbar beim Einsetzen rechtwinklig abgebogen und "schwebt" nun quasi über der Lötstelle.
In diesen Fall genügte einfaches Nachlöten, denn Schaden war glücklicherweise nicht entstanden.